Busineß

Sachsen legt Hilfsfonds für Kleinstunternehmen auf

Die Wirtschaft ächzt unter Corona. Relativ schnell hat die Bundesregierung ein Milliardenprogramm beschlossen. Firmen, die aufgrund der Einnahmeausfälle dringend Geld benötigen, sollen unkompliziert Kredite bekommen. Doch viele dieser Programme sind vor allem für große Unternehmen geeignet. Sachsen hat nun noch einmal nachgelegt mit einem Programm speziell für kleine Firmen.

Tanja Weitz hat ihren Laden “Kleine Hummel” genannt. Ein Geschäft in Leipzig, in dem man Stoffe kaufen kann. Vor allem aber erledigen ihre Mitarbeiterinnen Näh- und Stickarbeiten. Die Maschinen würden allerdings nur noch gelegentlich summen, sagt Weitz: “Der Umsatz und alle Aufträge sind fast um 90 Prozent zurückgegangen.”

Weitz fährt fort: Die ganzen Messen seien abgesagt worden und die Firmen bräuchten im Moment keine bestickte Berufsbekleidung dafür. “Wir müssen auch unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Und dann schauen wir mal weiter, wie sich das alles entwickelt.”

Zinsfreie Zuschüsse aus Sachsenfonds

Weitz hofft auf Hilfe vom Staat. Ihr kleines Unternehmen ist eines von rund 140.000 Kleinstunternehmen in Sachsen. Viele sind wegen der Corona-Pandemie in ernsten Schwierigkeiten.

Die Hilfsprogramme des Bundes sind für sie eine Nummer zu groß. Diese Botschaft ist auch bei Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig angekommen: “Deshalb machen wir ein eigenes Sachsenprogramm, legen einen eigenen Sachsenfonds auf.” Man wolle Zuschüsse als Darlehen bis zu 50.000 Euro zahlen – in Ausnahmefällen sogar bis zu 100.000 Euro. “Zinsfrei, drei Jahre lang tilgungsfrei, mit einer Laufzeit von acht Jahren”, ergänzt Dulig.

So sei man auch in der Lage zu schauen, ob das Geschäft später wieder anlaufe und das Darlehen zurückgezahlt werden könne, sagt Dulig weiter. Das Geld soll allen Kleinselbständigen helfen: Ladenbesitzern, Künstlern, freien Fotografen.

Für Wirtschaftsprofessor greift Programm zu kurz

Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo-Instituts Dresden, begrüßt das Programm. Doch der Wirtschaftsprofessor schickt ein Aber hinterher: “Wenn man sich das im Detail anschaut, dann greift es wahrscheinlich doch etwas zu kurz. Zum einen sind es eben nur ganz kleine Betriebe, die davon profitieren dürfen, nämlich von höchstens fünf Beschäftigten.”

Auch sieht Ragnitz ein Problem darin, dass die Hilfen irgendwann zurückgezahlt werden müssten: “Bayern beispielsweise ist da mit seinem Programm schon sehr viel weiter.”

Sachsen will sich flexibel bei Rückzahlungen zeigen

Bayern gewährt kleinen und mittleren Unternehmen direkte Notgelder. Sie müssen nicht zurückgezahlt werden. Ein Unternehmen mit fünf Beschäftigten kann dort zum Beispiel 5.000 Euro bekommen. Doch womöglich zeigt sich am Ende auch Sachsen großzügiger, als es zunächst aussieht. Martin Dulig sagt, es werde sich zeigen inwieweit man später nicht in der Lage sei, Darlehen zurückzuzahlen. Dass Sachsen bei den Rückzahlungen flexibel seien müsse, wisse man.

Kurzarbeitsgeld für Kleinselbständige könnte helfen

Wirtschaftsprofessor Ragnitz sagt, wichtig sei jetzt vor allem, dass die Existenz der Kleinselbständigen gesichert werde. Er könne sich auch eine Art staatliches Kurzarbeitergeld für sie vorstellen.

Bislang gibt es diese Hilfe nur für Angestellte. Von einer Ausweitung des Programms würde vielleicht auch Tanja Weitz profitieren, die Chefin der “Kleinen Hummel”. Derzeit lebt sie von den zehn Prozent Näh- und Stickerei-Aufträgen, die ihr geblieben sind.

Schreibe einen Kommentar