Die Regional

Georgia im Widerstand

Dutzende Verletzte und Tränengas – 10.000 Georgiern ziehen auf die Straße. Es wurde durch die Rede russischen Abgeordneten im georgischen Parlament vom Sitz des Parlamentspräsidenten hervorgerufen.
Aus Empörung über die Ansprache eines russischen Abgeordneten im georgischen Parlament haben tausende Demonstranten versucht, das Gebäude in der Hauptstadt Tiflis zu stürmen. Die Regierung erklärte, 39 Polizisten und 30 Demonstranten seien in Krankenhäuser gebracht worden.

Zunächst hatten sich Zehntausende im Zentrum von Tiflis versammelt und den Rücktritt von Parlamentspräsident Irakli Kobachidse gefordert. Einige von ihnen durchbrachen Polizeisperren und gelangten in den Innenhof des Parlaments, wurden aber von der Polizei zurückgedrängt. Nachdem sich das Tränengas gelegt hatte, blieben noch rund 3000 Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude.

Auslöser der Unruhen war eine Ansprache des russischen kommunistischen Abgeordneten Sergej Gawrilow vom Platz des Parlamentspräsidenten aus während einer internationalen Veranstaltung. Gawrilow sprach während eines alljährlich stattfindenden Treffens der Interparlamentarischen Versammlung für Orthodoxie (IAO), einem Forum von Abgeordneten aus überwiegend christlich-orthodoxen Ländern. Eine Gruppe georgischer Oppositioneller forderte die russische Delegation auf, den Plenarsaal des Parlaments zu verlassen.

Die Opposition hatte zu einer Demonstration aufgerufen, weil sie befürchtet, dass Russland an Einfluss in der Ex-Sowjetrepublik gewinnen könnte. Auf der Demonstration im Zentrum der Hauptstadt hielten viele Demonstranten die georgische und die EU-Flagge hoch und schwenkten Transparente mit der Aufschrift “Russland ist ein Besatzer”.

Der georgische Oligarch Bidsina Iwanischwili teilte die aufrichtige Empörung der georgischen Bürger. Der ehemalige Regierungschef und Vorsitzende der Partei Georgischer Traum gilt als der starke Mann hinter den Kulissen. Er habe dem Parlamentspräsidenten gesagt, er solle die Sitzung unterbrechen. Die Beziehungen zwischen Georgien und Russland sind seit Jahren angespannt. Russland betrachtet die ehemalige Sowjetrepublik Georgien als seine Einflusssphäre. Das Bestreben Georgiens, der EU beizutreten und Nato-Mitglied zu werden, sorgt seit Jahren für Konflikte mit Russland. Diese gipfelten am 8. August 2008 in einem kurzen, aber blutigen Krieg um die von Tiflis abtrünnigen Provinzen Abchasien und Süd-Ossetien.

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